Stürme uns

Stürme uns
und mach uns fertig
tobe
Machtgelüste
ungestraft
taumle in den nächsten Krieg
täusche neues Denken vor
Unschuldslamm
und Rabenaas
trag den Schaden
vieler Stunden
glaube
liebe
puffe aus
atme ein
den Strom der Zeit
reiß die Arme
schütte Sekt
sauge auf
verzieh die Lippen
fresse
neue Lebensphasen
ficke Nixen
raub dir Halt
alles Leben
tot gelogen
blass und dröge
verläßt du
die gewärmte Stadt

Duft und Membran

Komm zu mir
Duft der Blumen
wünsche ich mir ...
hier triffst du auf einen besonnten Bezirk ...


und dann kommt er, dieser Duft
leichtfüßig
ein Hauch von Bergamotte und Kletterrose
und schreibt mir einen Wunschzettel:


Rosenöl aus Bulgarien
Limonenöl aus dem Iran
schwarze Feige aus Apulien
Trüffelöl, Zeder
und das asiatische Süßgras ...


dieser aristokratische Nachmittag
erinnert mich an ...


Thai Basilikum, Koriander und Kardamom
persische Limone auf schwarzer Pflaume
Parma Veilchen
Auszüge aus Safran und Zeder ...


ein schwerer Duft, ich weiß ...


So zieht dieser schöne Tag
seine Trägheit wie eine Schleppe hinter sich her
während ich
selig an Deck meines Lebensschiffs liege
auf einem hellen Fleck Sonnenlicht
entspannt wie eine satte Katze


dieser Tag mit seinem Duft strahlt und atmet Schönheit


warm und pudrig ist dieser Tag
er duftet nach Sandelholz und Tonkabohne
Rose und Iris blühen im Garten
mysteriös und verstörend zugleich
stark und zerbrechlich ...


androgyn und sinnlich der Abend
minimalistisch
und niemals gestört von einem düsteren Gedanken
ahne ich
ohne Angst
wie es ist, zu Staub zu verfallen ...


Wellen des Dufts und der heranbrechenden Dunkelheit
tragen mich, bringen mich voran
wohin bringen sie mich, frage ich mich
und meine Antwort ist:
nach Hause.


Schwerelos

Schwerelos
bin ich`s ?
mein
tiefes
Innen
gurrt
sprüht
und singt
heut ist es
rosig
struppig
fliegt
durch´s Fenster
wirft
viel Gold ab
kommt zu Boden
deckt mich auf
und
fügt hinzu
zwischen atmen
tunkt es Klarheit
schlägt Wurzeln
riesengroß
schmerzlos
ich bin´s!


Komm doch ersehnter Schlaf

Komm doch
ersehnter Schlaf
komm ohne Falten
und
öffne mir die Welt
lehre mich tiefer zu sehen
und zeige mir
wie ich hinter
Kälte blicken kann
trag mich fort
und wärme mich
tief
im Herzen bersten
Träume
stecken
Saphire
Opale
Diamanten
kleine harte Diamanten
sieh mich an
Schlaf
bin ausgebreitet wie ein Schal
bestickt
mit Bruchstücken
aus dem Inneren
Afrikas
dem Schatten
vieler ungelebter Jahre
mit einem Strauß
aus Angst und Kindertagen
kommt doch
Träume
kommt
lautlos
Augen meiner Erinnerung
und
flickt am Becken
des nächtlichen Himmels
wo
Sterne wimmern
und
Wasser eindringt
mit Fäden aus Licht
flickt
am Becken
des nächtlichen Himmels
seine Farbe
so tief
sein
Atmen
so weich und warm
 

Jupiterjahr

Weit weg vom Lärm der Menschen
denke ich nach
in meinem Versteck
aus Sterne, Regen und Schnee
das ist mein Leben im Januar


Ich forsche nach einer neuen Zeit
mustere und grüße mich
singe diesen seltsamen Hunger weg
und auch die Hast und die Angst
nein, ich hab´s nicht eilig
das ist mein Leben im Februar


Ich spüre die Erde und all meine Sterne
und die der anderen auch
täglich und stündlich und still
und mache dies sichtbar
das ist mein Leben im März


Dann küsst mich ganz überraschend
der April
mit Küssen, die ich noch nicht kenne
und reichen neuen Akkorden
ja, ja, dieser April macht mit mir
was ich will ...


Nun kommt der Morgen meiner Geburt
einer von vielen
ich singe für mich und nur für mich selbst
das ist der Mai und er trägt meinen Namen
und stickt ihn scharf und leuchtend
in seine zarte Schleppe

Danach spinnt sich mein Faden in den Sommer
webt sich durch Tage und Gras
und all meine dösenden Tiere
Stück für Stück
und wärmt meinen Blick
das ist mein Leben im Juni


Der Juli zeigt mehr Fülle denn je
Land ohne Ende
riesige Weideflächen
die ich durchquere
alleine oder zu zweit
ganz wie ich will


Ich segle durch noch reichere Tage
und jeder der mit mir kommt
halte sich fest
ich schlafe nicht mehr
dieser August ist rasant
und wenig berechenbar


Ozeane die in mir ruhen
Laute von Fischen und Vögeln
ich bin meine eigene Küste und Wind
beherberge und verarzte Gestrandete
in diesem September

Der Oktober atmet mich ruhiger
kennt meinen Duft und fügt
einen fremden dazu
dichtet und schwärmt von neuen Versprechen
und fordert noch ... viel mehr Mut

Ich plage mich nicht mehr zu lernen
ich habe Sonne und Erde
spiele und lache
und fühle jetzt alle die ich verloren habe
und die, die noch kommen ...
und das ist mein neues Lernen
spätestens im November


Und danach filtere ich dieses Jahr
ohne Anfang und Ende
die Essenz ist zart, sehr zart ...
und so vertraut wie immer
mein Lächeln
Makel und Musik
webe ich mit Winterlicht in dieses Jahr
und alle neuen Namen
ich webe das alles
in mein weiches federleichtes neues Kleid
aus zweiundsechzig Dezembern


Das ist das blaue Schweigen der Himmelskarte.

Die Morgenfrühe, die immer pünktlich ist

wenn etwas stirbt und etwas geboren wird

wartet hinter ihren Schleiern.


Ich beziehe mein Winterquartier

Eisdiamanten auf meinen Wimpern

Winterwind fährt mir in den Mund

ich streiche Leberpastete auf dickes Brot

trinke Champagner aus einem Bierglas:


Auf dich, Mutter !!!


Ich rauche eine Zigarette - nur zwei Züge

und webe Winterlicht in unseren Namen

in dieser wohligen Kälte bin ich dein Kind

bin ich das Kind deiner Gegenwart.


Auf dich Mutter !!!


Wo immer du bist

wo immer du

gerade in diesem Augenblick

einen schönen Garten pflegst ...

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